← Alle Beiträge

Geld & Bürokratie · 5 Min. Lesezeit

Digitaler Nachlass: Zugänge für den Notfall vorbereiten

Eine übersichtliche Karte zeigt, was es gibt und wo Hilfe beginnt. Sie muss nicht selbst zum Schlüssel für alle Konten werden.

Inhaltlich geprüft am 26. Oktober 2026
Erstmals online: 26. Oktober 2026

Zwei Menschen planen an einem Tisch. Neben dem offenen Notizbuch liegt ein umgedrehtes Telefon.
Illustration: ExpressMagazine

Wenn eine vertraute Person im Notfall helfen soll, fehlt oft zuerst nicht das Passwort. Es fehlt der Überblick: Welche Konten gibt es, wofür sind sie wichtig, und wo beginnt ein sicherer nächster Schritt? E-Mail, Mobiltelefon und ein Online-Vertrag können miteinander verbunden sein. Eine knappe digitale Vorsorge macht diese Abhängigkeiten sichtbar, ohne alle Geheimnisse auf ein offenes Blatt zu schreiben.

Krankheit oder Unfall und ein Todesfall sind unterschiedliche Situationen. Für Unterstützung zu Lebzeiten können passende Vollmachten und Zustimmungen nötig sein. Nach einem Todesfall greifen Erbrecht und die Verfahren der jeweiligen Anbieter. Das lässt sich nicht mit einer einzelnen Liste für jeden Fall lösen. Eine gute Übersicht hilft aber, Fragen gezielt zu stellen und nicht bei null anzufangen.

Was du heute festhalten kannst

Du musst nicht jedes Konto sofort öffnen. Beginne mit den Bereichen, die andere Dienste entsperren, laufende Kosten verursachen oder persönliche Daten enthalten.

Bereich Was auf die Übersicht gehört Was du gesondert sicherst
E-Mail und Mobilfunk Anbieter, verwendete Adresse oder Rufnummer, Weg zur Wiederherstellung Passwort, SIM-PIN und Wiederherstellungscodes
Fotos und Dateien genutzter Dienst, wichtige Ablageorte, gewünschter nächster Schritt Private Dateien und Zugriffsschlüssel
Verträge und Abos Anbieter, Kundennummer, Vertragsunterlagen, mögliche Aufgabe Bankzugänge und Zahlungsfreigaben
Geräte und Zuhause wichtige Geräte, Administrator-Konto, zuständiger Kontakt Gerätecode, Schlüssel und Sicherheitscodes
Soziale Netzwerke Profilname und Wunsch zum Umgang mit dem Profil Anmeldepasswort und private Nachrichten

In die Übersicht gehören also Namen, Orte und Anweisungen: „Fotos bei Anbieter X prüfen“, „Vertrag bei Anbieter Y anfragen“ oder „Zugang über den hinterlegten Notfallkontakt suchen“. Sie muss nicht alle Passwörter enthalten. Wer Unterlagen für Briefe und Verträge sortiert, kann die bestehende Papierkram-Übersicht als Ausgangspunkt nutzen. Für Dateien hilft auch eine kleine digitale Ablage.

Wünsche zuerst, Technik danach

Überlege für die wichtigsten Konten, was passieren soll. Möchtest du ein Profil schließen lassen, bestimmte Fotos sichern oder ein laufendes Abo beenden lassen? Gibt es Inhalte, die privat bleiben sollen? Ein Wunsch ist noch keine technische Berechtigung. Er hilft deiner Vertrauensperson jedoch, die richtigen Fragen beim Anbieter zu stellen.

Das Bundesjustizministerium erläutert, dass der Vertrag zu einem Online-Konto Teil des digitalen Nachlasses sein kann. Das Urteil des Bundesgerichtshofs zum digitalen Nachlass (III ZR 183/17) behandelt den Zugang zu einem konkreten Nutzerkonto und seinen Inhalten. Daraus folgt keine pauschale Sofortfreigabe für jedes Konto. Anbieter können Nachweise verlangen, und einzelne Dienste haben eigene Regeln.

Schreibe auf, wer dir helfen soll und ob die Notiz für Unterstützung zu Lebzeiten, für den Todesfall oder für beides gedacht ist. Eine Vollmacht muss zur gewünschten Situation passen. Bei Bankkonten solltest du direkt bei deiner Bank fragen, wie sie eine bevollmächtigte Person einträgt. Das Weitergeben des Onlinebanking-Passworts ersetzt diese Klärung nicht.

Wiederherstellung mitdenken

Viele Zugänge hängen an einem zweiten Faktor: einem Gerät, einer Authentifizierungs-App oder einem Code. Das schützt ein Konto, kann den Zugang aber erschweren, wenn nur eine Person das Gerät oder den Code erreichen kann. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt zusätzliche Authentisierung und rät zugleich davon ab, Passwörter an Dritte weiterzugeben.

Notiere deshalb, welche Wiederherstellungswege eingerichtet sind und wo die zugehörigen Unterlagen sicher liegen. Schreibe in die Übersicht zum Beispiel „Notfallzugang im Passwortmanager eingerichtet“ oder „Ersatzcode im verschlossenen Ordner“. Kopiere das Masterpasswort oder Einmalcodes nicht in eine offene Notiz, einen ungeschützten Cloud-Ordner oder eine gewöhnliche E-Mail. Wenn du einen Passwortmanager nutzt, prüfe dessen eigene Notfall- oder Freigabefunktion und halte fest, wie sie funktioniert. Die passende Lösung hängt vom Dienst und von den Personen ab, denen du Zugriff geben möchtest.

Auch bei Anbietern gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Apple lässt einen Nachlasskontakt bestimmen, verlangt für eine Anfrage aber einen Zugriffsschlüssel und einen Nachweis des Todes. Bestimmte Zugangsdaten, darunter Passwörter und Passkeys im iCloud-Schlüsselbund, gehören nicht zu den Daten, auf die dieser Kontakt zugreifen kann. Google bietet einen Kontoinaktivität-Manager, mit dem sich ausgewählte Daten und Vertrauenskontakte festlegen lassen. Eine längere Inaktivität ist jedoch nicht dasselbe wie eine Vollmacht oder ein Ersatz für eine Regelung bei Krankheit. Prüfe die Einstellungen direkt beim jeweiligen Dienst und aktualisiere sie, wenn sich deine Wünsche ändern.

Prüffrage Notiere Lass geschützt liegen
Wie kann die Person erkennen, welches Konto gemeint ist? Anbieter, Nutzername oder Kontaktadresse vollständiges Passwort
Was passiert, wenn das Telefon fehlt? verfügbare Ersatzwege und deren Aufbewahrungsort Einmalcodes in einer offenen Liste
Wer darf handeln? Name der Vertrauensperson und passende Vollmacht Bankdaten oder Gerätecode ohne geklärte Berechtigung

Ein überschaubarer Anfang in 30 Minuten

1. Bestimme eine Person. Frage sie, ob sie diese Aufgabe übernehmen möchte. Sage ihr, wo die Übersicht liegt und welche Situation sie abdeckt.

2. Sammle die wichtigsten Konten. Beginne mit deiner Haupt-E-Mail-Adresse, deinem Mobilfunkanbieter, einem Passwortmanager, Foto- und Dateispeichern, wichtigen Verträgen und laufenden Abos. Du kannst deine Post oder Kontoauszüge als Erinnerung nutzen. Prüfe die Unterlagen selbst, statt daraus automatisch Zugangsdaten abzuleiten.

3. Schreibe den Wunsch und den nächsten Schritt auf. „Konto löschen“ ist oft zu ungenau. Notiere lieber: „Vor einer Kündigung die Fotos sichern lassen“ oder „Beim Anbieter nach dem Verfahren für Bevollmächtigte fragen“.

4. Prüfe die Wege zurück ins Konto. Sieh nach, ob die Kontaktadresse aktuell ist, welche zweite Anmeldung genutzt wird und was im Fall eines verlorenen Geräts passiert. Hinterlege nur den Weg zur sicher verwahrten Information, nicht deren Geheimnis.

5. Teile den Fundort und prüfe die Notiz später erneut. Eine Vertrauensperson kann nicht auf etwas zugreifen, von dessen Aufbewahrungsort sie nichts weiß. Ein kurzer jährlicher Blick oder eine Prüfung nach einem neuen Telefon genügt als Erinnerung; es gibt keinen perfekten Aktualisierungsrhythmus für alle.

Wenn du heute nur einen Schritt schaffst, notiere deine Haupt-E-Mail-Adresse, den Mobilfunkanbieter und den Namen einer Person, mit der du über digitale Vorsorge sprechen möchtest. Die kleine Abo-Liste kann bei laufenden Online-Verträgen ergänzen. Für rechtliche Fragen zu Vollmachten, Erbrecht oder einem konkreten Konto ist eine qualifizierte Beratung der richtige nächste Schritt.

Quellen & Einordnung

Geprüft am 26. Oktober 2026: Bundesgerichtshof, Bundesjustizministerium, Verbraucherzentrale, BSI sowie aktuelle Hilfeseiten von Apple und Google. Die Übersicht ist redaktionelle Orientierung und keine Rechts- oder IT-Sicherheitsberatung.

Die Zeit zum Starten ist eine redaktionelle Schätzung. Sie beschreibt den ersten kleinen Schritt und enthält keine garantierte Zeitersparnis.

Etwas unklar oder ein Fehler entdeckt? Schreib der Redaktion.